Expected Move vor großen Terminen: so liest du ihn
Der November ist voller fester Termine: die US-Zwischenwahlen, neue Inflationsdaten und einer der meistbeachteten Quartalsberichte. Vor jedem dieser Termine werden Optionen teurer. Der Expected Move zeigt, welche Bewegung der Markt einpreist, und ist die wichtigste Zahl, bevor du eine Option über einen Termin hinweg kaufst.
- 3. Nov.
- Zwischenwahlen in den USA
- 10. Nov.
- US-Verbraucherpreise (CPI) für Oktober, 14:30 Uhr MEZ
- 17. Nov.
- Quartalszahlen von Nvidia nach US-Börsenschluss
- 20. Nov.
- Monatlicher Optionsverfall (dritter Freitag)
Was der Expected Move ist
Der Expected Move ist die Spanne, die der Optionsmarkt bis zu einem Verfall einpreist. Er ergibt sich direkt aus der impliziten Volatilität: Kurs × IV × √(Tage ÷ 365). Es ist eine Spanne von einer Standardabweichung: Im Modell endet die Aktie in etwa zwei von drei Fällen darin. Über die Richtung sagt sie nichts.
Eine beliebte Abkürzung ist der Preis des Straddles am Geld, also ein Call und ein Put mit demselben Strike. Im Modell ist der Straddle etwa das 0,8-Fache der Bewegung von einer Standardabweichung. Er unterschätzt die Spanne also etwas.
Warum Optionen vor einem Termin teuer werden
Vor einem bekannten Termin wollen Trader sich absichern oder mit Hebel setzen, und Stillhalter wollen für das Risiko eines Sprungs bezahlt werden. Die implizite Volatilität in den Verfällen, die den Termin enthalten, steigt. Am Kalender ändert sich kaum etwas, aber der Preis eines großen Tages steckt plötzlich in wenigen Tagen Restlaufzeit.
Unser fiktiver Chiphersteller Kestrel Semiconductor steht bei 150 $. In einer normalen Woche handeln seine Optionen mit 35 % IV. Sieben Tage vor den Quartalszahlen handeln die Wochenoptionen mit 70 % IV.
| Sieben Tage, Aktie bei 150 $ | IV | Expected Move |
|---|---|---|
| Normale Woche | 35 % | ± 7,27 $ (4,8 %) |
| Woche mit Quartalszahlen | 70 % | ± 14,54 $ (9,7 %) |
| Straddle am Geld | 70 % | 11,59 $ |
Der Markt preist jetzt eine doppelt so große Bewegung ein. Ob das billig oder teuer ist, hängt davon ab, wie die Aktie normalerweise auf Zahlen reagiert, und vom IV Rank: wie hoch die IV im Vergleich zu ihrem eigenen letzten Jahr ist.
Was nach dem Termin passiert: IV Crush
Sind die Zahlen draußen, ist die Unsicherheit weg, und die implizite Volatilität fällt meist schnell. Das ist der IV Crush. Ein Käufer wird doppelt getroffen: Die Option verliert ihren Terminaufschlag, und ein Tag Zeitwert ist weg.
Angenommen, du kaufst den Kestrel-Call mit Strike 155 bei sieben Tagen Restlaufzeit für 3,77 $. Der Breakeven bei Verfall liegt bei 158,77 $, also +5,8 %. Am Tag nach den Zahlen liegt die IV wieder bei 40 %. Die Grafik zeigt den Wert des Calls bei verschiedenen Kursen, verglichen mit dem Fall, dass die IV bei 70 % geblieben wäre.
Was das in der Praxis bedeutet
- Die Richtung ist nur die halbe Miete. Die Aktie steigt um 5 $, eine ordentliche Bewegung, und der Call verliert trotzdem 15 %. Ohne den IV-Rückgang hätte er 48 % gewonnen.
- Vergleiche die nötige Bewegung mit der eingepreisten. Der Call braucht +5,8 % bis zum Breakeven bei Verfall, der Markt preist etwa ±9,7 % ein. Vor dem Termin wirkt das erreichbar, aber der IV-Rückgang verschiebt die echte Hürde am Tag danach nach oben.
- Laufzeit hilft. Eine Option mit vielen Tagen nach dem Termin verliert im Crush weniger, weil der Termin ein kleinerer Teil ihrer Laufzeit ist. Deshalb nutzen die Beispiel-Setups im Screener längere Laufzeiten und markieren anstehende Quartalszahlen.
- Bei Index-Terminen wie CPI oder einer Wahl gilt dieselbe Logik für Optionen auf Index-ETFs, meist mit kleineren Zahlen.
Bevor du eine Option über einen Termin kaufst, leg drei Zahlen nebeneinander: den Expected Move bis zu deinem Verfall, die nötige Bewegung bis zum Breakeven und den IV Rank. Liegt die nötige Bewegung nahe am Expected Move oder darüber und ist der IV Rank hoch, bezahlst du viel für die Idee. Die ersten beiden Zahlen zeigt dir der kostenlose Rechner in Sekunden; der Link unten öffnet ihn mit dem Kestrel-Beispiel.
Häufige Fragen
Ist der Expected Move eine Prognose?
Nein. Er zeigt, was die Optionspreise in einem einfachen Modell einpreisen. Echte Bewegungen nach Zahlen sind oft größer oder kleiner, und das Modell kennt keine Sprünge und keinen Skew.
Warum verlieren Optionen nach guten Nachrichten an Wert?
Weil ein Teil ihres Preises die Unsicherheit vor der Nachricht war. Fällt die implizite Volatilität, verschwindet dieser Teil, auch wenn sich die Aktie in die richtige Richtung bewegt hat.
Wo finde ich die implizite Volatilität für meinen Verfall?
In der Optionskette deines Brokers, zum Beispiel in der Trader Workstation von Interactive Brokers. Nimm die IV des Verfalls, den du handeln willst, nicht einen 30-Tage-Durchschnitt.
Begriffe in diesem Artikel
Quellen
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Veröffentlichungstermine CPI
- NVIDIA: Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals